Blog des Freundschaftstreffen


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Samstag, 19. Mai 2012 - 22:13 Uhr

Geistige Gesundheit

Ich heissesse René, ich bin und bleibe Alkoholiker

Ich komme von meinem Samstag Meeting.

Wie immer, geht es mir gut nach einem Meeting.

Wir orientieren uns am Programm, - so finden wir immer reichlich
Gesprächsstoff.

Ich staune manchmal selber, was da alles noch in mir schlummert.

Ich stelle fest, dass ich noch weit weg bin, von geistiger Gesundheit.

Gut so.
Das AA Programm ist ein Lebensprogramm und ich bin nur auf dem Weg - nicht am Ziel.

Ich ertappe mich immer wieder bei kleinen Lügen, beim kleinen Verheimlichen.....es ist wie eine Sucht!!
Ich denke, einmal süchtler - immer süchtler!! - Ich bleibe dran, immer und immer wieder.

Ich will kein Besoffener mehr sein,
auch kein trocken Besoffener.

Es tut mir ausgesprochen gut, im Meeting über meine Mängel zu sprechen und zu sehen, wie die anderen am Tisch zustimmend mit dem Kopf nicken.

Ich bin nicht allein.

Wo sonst, als in AA kann ich mich freisprechen?
Ich danke euch dafür.

In tiefer, dankbarer AA Verbundenheit
René

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Donnerstag, 17. Mai 2012 - 11:07 Uhr

Gedanken zum Tag: Verzeihen


GEDANKEN ZUM TAG 17. Mai

VERZEIHEN

Bei mir gab es immer wieder sehr viele Gelegenheiten, anderen zu verzeihen - auch mir selbst.
WIE HILL ES SIEHT, S.276

Mir und anderen zu verzeihen gleicht zwei Strömungen im selben Fluss, die beide durch den Damm des Grolls behindert oder ganz gestaut werden.
Wenn der Damm weg ist, können beide Strömungen fließen.

Die Schritte der AA lassen mich erkennen, wie sich Groll langsam aufbaute und folglich mein weiteres
Leben behinderte.

Die Schritte zeigen einen Weg, wie - durch die Gnade
Gottes, wie ich ihn verstehe - mein Groll abgebaut werden kann.

So finde ich jene Gnade, die ich brauche, um mir und anderen zu vergeben.

Ich heisse René, ich bin Alkoholiker

Ich erinnere mich gut, wie ich mich als der letzte Dreck fühlte und voller Schuldgefühle war.
Auch nachdem ich mein 1. Glas stehen lassen durfte, fühlte ich mich nicht besser.

In AA sah ich, dass ich nicht alleine bin mit meinem Gefühlschaos, mit meinen Schuldgefühlen.

Ich darf heute meine Vergangenheit akzeptieren und ich darf zu meinem Fehlverhalten stehen.

Ich darf Fehler machen - und ich darf sogar dazu stehen.
Mir wurde Mut zur Veränderung geschenkt.
Ist ja klar, wenn ich nicht aktiv bin, mache ich auch keine Fehler.
Ich habe den ehrlichen Wunsch, dass mein Leben im Fluss bleibt. Für mich ist es wichtig, dass ich nicht stehen bleibe.
Meine Höhere Macht lässt mich nicht allein.

Heute in einer Woche fahre ich zum DLT nach Oldenburg.
Ich treffe mich dort mit einigen Freundinnen und Freunden aus dem Online Meeting.
Ich freue mich so sehr, auf meine grosse AA-Familie.

Danke und eine gute Zeit
René

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Donnerstag, 10. Mai 2012 - 19:22 Uhr

Fünfter Schritt

Ich heisse René, ich bin und bleibe Alkoholiker



Bei mir dauerte es über ein Jahr, bis ich endlich im Meeting
über mein Innerstes sprechen konnte.

Meinen fünften Schritt durfte ich ganz unverhofft vollziehen.
Wir sassen zu fünft im Meeting. Ein grosses Vertrauen war im
Raum. - Wie so oft, etwas Unbeschreibliches.

Es brach aus mir heraus, all das was mich halt immer noch belastete.
Ich durfte mich freisprechen.

Inzwischen sind einige 24 Stunden vergangen.

Ich schätze es auch heute so sehr, dass ich mich freisprechen darf.

Niemand nimmt Stellung dazu, ich muss mich nie rechtfertigen.

Das ist für mich ein gutes Fundament für gegenseitiges Vertrauen.

Wenn ich Rat brauche, finde ich in der Pause, nach - oder ausserhalb von den Meetings immer einen Gesprächspartner.

Heute darf ich Sponsor sein.
Gute Gespräche erlebe ich immer wieder bei einem Spaziergang.
Am Fluss oder im Wald lässt sich gut miteinander reden.

Schön und danke, dass es euch alle gibt.
In dankbarer AA - Verbundenheit
René

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Sonntag, 29. April 2012 - 08:21 Uhr

Fang bei dir selbst an

Dieser Slogan, den wir Al-Anons von den AAs übernommen haben, hat mir wohl bisher am meisten geholfen und ist mir auch heute noch in vielen Situationen eine grosse Hilfe. Als ich in der schwierigen Zeit vor Al-Anon die ganze Verantwortung für meine Familie übernahm und die damit zusammen hängenden Belastungen immer grösser und erdrückender wurden, braute sich mit der Zeit in meinem Bauch ein riesiger schwarzer Klumpen aus Groll, Neid, Hass und Schuldzuweisungen zusammen. Während ich mich bemühte, die ständig fehlenden Finanzen und das Chaos im Haushalt in den Griff zu bekommen, verfloss ich förmlich in meinem Selbstmitleid und dachte immer häufiger an Rache. Für mich war damals klar: Der Alkoholiker war schuld an meiner Misere und sollte dafür büssen.

Im Meeting hörte ich schliesslich, dass weder der Alkoholiker noch ich schuldig waren, sondern dass wir beide an der Krankheit „Alkoholismus“ litten und wir beide gegen diese Krankheit machtlos waren. Ich lernte die Bedeutung der drei „Cs“ kennen:

„Wir haben den Alkoholismus nicht verursacht (cause), wir können ihn nicht heilen (cure) und wir können ihn nicht kontrollieren (control)“.

Damals begriff ich, dass ich meine Aufmerksamkeit auf mich selber richten musste.

Am Anfang war ich völlig verwirrt. Ich hatte mich dermassen mit dem Alkoholiker auseinander gesetzt, dass ich mich selbst als eigenständige Person gar nicht mehr wahrgenommen hatte. Nach und nach lernte ich mich in den vielen Meetings jedoch kennen. Ich erkannte, dass ich eine eigenständige, liebenswerte Persönlichkeit war, einzigartig in meiner ganzen Person genau wie mein Fingerabdruck. Ich brauchte keine Schuld mehr zu übernehmen oder jemand anderem anzulasten, und ich konnte den Neid auf die anderen loslassen, weil ich mich selber als beneidenswerten Menschen betrachten konnte, und mein Klumpen im Bauch wurde nach und nach kleiner.

Heute fühle ich mich befreit und so jung und schön wie noch nie, obwohl ich weit mehr als 20 Jahre auf dem Buckel habe. Ich betrachte mich heute im Spiegel all der wunderbaren Menschen, die ich in Al-Anon getroffen habe. So ist meine Blüte in voller Reife aufgegangen und hat sich in ihrer ganzen Pracht entfaltet wie die Blume auf dem Foto.

Ich wünsche euch allen eine gute Woche im liebevollen Betrachten eures Spiegelbilds

und grüsse euch mit dankbarer Herzlichkeit.

Käthi

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Montag, 23. April 2012 - 14:50 Uhr

Inventur – 4. Schritt

Der April ist der vierte Monat im Jahr, und wie jedes Jahr sprechen wir im April in unserem Meeting über den vierten Schritt, der lautet:

„Wir machten eine gründliche und furchtlose moralische Inventur von uns selbst.“

Früher hiess das für mich: Ich sollte in den tiefsten Abgründen meiner Seele nach meinen persönlichen Schwächen und Fehlern graben und diese sofort ausmerzen. Wie hätte ich das nur furchtlos tun können? Ich dachte in dieser Zeit sehr schlecht von mir und die Vorstellung, noch schlechtere Dinge in meinem Inneren zu entdecken, lösten bei mir Angst und Schrecken aus.

Der Zufall wollte es, dass ich in diesem Monat das Meeting zum vierten Schritt kurzfristig leiten sollte, weil die Meetings-Leiterin krank geworden war. Ich hatte kaum Zeit zur Vorbereitung. Auf dem Heimweg überlegte ich mir deshalb im Zug, wie ich das Thema ansprechen sollte. Da kam ich auf die Idee, den Sinn einer Inventur anhand der Buchhaltung zu erläutern. Im Meeting fragte ich die Anwesenden zuerst, was sie sich unter einer Inventur vorstellten. Die Antworten bestätigten mir, dass vor allem die Neueren genauso Angst vor dem Aufdecken ihrer schlechten Eigenschaften hatten wie ich damals. Sie meinten genau wie ich früher, eine Inventur sei eine Abrechnung, eine moralische Abrechnung mit sich selbst.

Ein Geschäftsinventar ist aber gar keine Abrechnung, sondern eine Bestandesaufnahme. Im Al-Anon Dienstbüro machen wir jedes Jahr eine Inventur, bei der ich jeweils mithelfe. Wir machen dabei aber keine Abrechnung und wühlen auch nicht nach Fehlern, sondern öffnen einfach den Schrank und zählen alle vorhandenen Bücher und Broschüren. Wenn alles gezählt ist, werden die aufgelisteten Zahlen in die Buchhaltung übertragen, und zwar als aktive, d.h. positive Werte. Eine Inventur ist also in erster Linie eine Liste von Dingen, die ich bereits habe.

Was bedeutet dies nun für mich selbst? Ich brauche gar nicht nach meinen schwarzen Löchern zu suchen. Es geht lediglich darum, eine Bestandesaufnahme meiner positiven Werte zu machen. Und dies kann ich nicht nur furchtlos, sondern sogar mit hoffnungsvoller Freude tun. Ich könnte nämlich sogar Dinge wie schlummernde Talente oder verborgene Qualitäten dabei entdecken, die mir neue Möglichkeiten eröffnen könnten.

In meinen Anfangszeiten bei Al-Anon, als es mir sehr schlecht ging und ich am Verzweifeln war, ermutigte mich meine Sponsorin dazu, eine Dankbarkeitsliste zu machen. Diese Empfehlung habe ich befolgt, obwohl ich überzeugt war, keine positiven Aspekte in meinem Leben zu finden. Ich erstellte dazu eine ABC-Liste auf meinem Computer und nahm mir vor, hinter jeden Buchstaben des Alphabets mindestens einen positiven Begriff zu setzen, für den ich dankbar sein konnte. Diese Liste sah am Schluss etwa so aus:

A = Al-Anon, Arbeit, Auto ...
B = Bett, Bücher, Bildung ...
C = Chancen, Charakter, Charme ...
D = Dach über dem Kopf, Demokratie, Dienst ...
E = Essen, Erlebnisse, Elektrizität ...
F = Familie, Freunde, Ferien, Fotos ...
usw.

Als ich schliesslich die vielen positiven Werte schwarz auf weiss vor mir auf meiner Liste sah, wurde mir bewusst, wie reich ich in Wirklichkeit war. Ich kam zum Schluss, dass ich bereits alles hatte, was ich brauchte und dazu noch vieles mehr. In meinen kühnsten Träumen hätte ich mir nicht vorstellen können, welche positive Wirkung eine solche Liste auf mein Selbstwertgefühl und mein Befinden haben könnte.

Heute ist mir klar, weshalb wir eine Inventur von uns selbst machen sollen. Ich muss meine positiven Werte erkennen und schätzen lernen. Die Liste kann ich jederzeit ergänzen und weiterführen, und ich kann dabei über mich selbst hinaus wachsen.

„Du kommst zu dem Punkt, an dem die Dämonen, die ängstigen, kleiner und kleiner werden, während du grösser und grösser wirst.“
(August Wilson)
(Gelesen im MzV, S. 111)


In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spass und Erfolg bei eurer Inventur.



Herzliche Grüsse in Al-Anon Verbundenheit
Käthi

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